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EINFÜHRUNG [INTRODUCTION]


In Berlin wurde unter Joseph Paul Kleihues vor der Wende im Rahmen der IBA und unter meiner Anleitung als Senatsbaudirektor nach der Wende versucht und bis heute versucht, Stadt im traditionellen Sinne zu bauen. Wir wissen dabei um die Restriktionen im Zeitalter der Virtualisierung und Individualisierung. Wir wissen um die Sprengkraft der Automobilisierung und denken doch, dass es möglich ist, die Architektur der Häuser mit der der Stadt zu einem Akkord zusammen zu fügen. Sie nicht als eine Ansammlung von Objekten zu begreifen, nicht als Bildergalerie, sondern als Ensemble öffentlicher Straßen und Plätze, auf die die individuellen Architekturen raumbildend bezogen sind. Diese Arbeit an der Renaissance einer europäischen Metropole, zuletzt konkretisiert in dem von 1996 bis 1999 erarbeiteten „Planwerk für die Berliner Innenstadt“ liegt die These zu Grunde, dass es am Ende des 20. und am Beginn des 21. Jh. noch möglich ist, unter den geänderten Rahmenbedingungen des Wohnens, des Verkehrs, des Einkaufens, des Arbeitens usw. Stadt zu bauen.

Die Gegenthese vieler Theoretiker und Planungspraktiker bezweifelt genau dies. An vorderster Front sei unser Freund Rem Koolhaas genannt mit seiner oft wiederholten Behauptung, „die Stadt sei tot, die neuen Orte der Kommunikation seien die Flughäfen, allenfalls Bahnhöfe und Einkaufszentren“. Er nennt das dabei entstehende Ragout neuerdings „Junk-Space – ein Innen ohne Außen, so ausufernd, dass man seine Grenzen kaum wahrnehmen kann“ (Rem Koohlhaas in: Der Freund, Heft 1, S. 18). Wer sich damit nicht zufrieden gibt, sondern andere Ziele verfolgt, muss sich allerdings etwas einfallen lassen, denn es geht bei der praktischen Arbeit bei der Rekonstruktion des Städtischen nicht um nur die bloße Wiederholung dessen, was im 19. oder 20 Jh. in Lehrbüchern niedergelegt wurde, sondern es geht um die Weiterentwicklung städtischen Planens, um die Integration neuer Nutzungen in großen Dimensionen, d. h. der Büros, der Einkaufszentren, der Shopping malls in die traditionelle europäische Stadt. Es geht mir , um es zugespitzt zu sagen, bei meiner Arbeit nicht um einen „New Urbanism“ europäischer Prägung, sondern es geht darum, um die Jahrhunderte alten Stadtmuster europäischer Städte auf zeitgenössische Art und Weise neu zu interpretieren und weiterzuentwickeln. Die Balance zwischen Nostalgie und Modernität zu finden, ist schwierig und ich behaupte mal, dass es in Europa nur wenige Projekte gibt, bei denen man mit Erfolg darüber reden kann, dass diese Weiterentwicklung des Städtischen wirklich gelungen ist.

Ich probiere das seit 1986 auf zwei unterschiedlichen „Bühnen“: Einmal auf der Provinzbühne der als Weltkulturerbe anerkannten Hansestadt Lübeck in der Zeit von 1986 bis Anfang 1991 und seit 1991 in der großen und manchmal auch auf andere Art provinziellen Stadt Berlin als Senatsbaudirektor.

Ich möchte Sie im Folgenden nicht überwiegend mit Worten beeindrucken, sondern an drei Beispielen versuchen, eigene Erfahrungen im Umgang mit dem Versuch, Stadtbaukunst wieder zu beleben, zu erläutern.

Die drei Beispiele sind: der „Pariser Platz“ als Platz mit einer traditionellen, strengen Satzung, der „Potsdamer Platz“ mit wenig strengen Vorgaben für die Stadträume und wenig bis gar keinen Vorgaben für die Architektur und schließlich mit dem erstmals 1658 bebauten und dann in der DDR abgeräumten „Friedrichswerder“. Hier wird noch einmal mit knappen architektonischen Vorgaben, aber mit dem Versuch, aus dem Prinzip der Reihung ein Architekturensemble zu entwickeln. In Berlin, before the wall came down, within the framework set by the IBA, and then, since '89 under my guidance as the governor of housing, the architect Joseph Paul Kleihues has to this day tried to rebuild the city in the traditional sense. We are aware of restrictions in these days of virtualisation and idividulaisation.  We are also aware of the explosive force of auto-mobilisation and yet still believe that it is possible to bring together the architecture of houses with that of the city itself; that is, not to regard them as a collection of individual objects, not a gallery of pictures, but an ensemble of  space-forming streets and squares, into which individual architects make their spatial mark.  Our work towards a renaissance of the European metropolis, defined last in the so-called Planwerk für die Berliner Innenstadt (plan for Berlin's city centre), set up from 1996 to 1999, is based on the assumption that at the end of the 20th century and at the beginning of the 21st it is still possible to build a city, albeit under differing conditions of living, of consuming and of working.

The opposing theory of many thinkers and planners puts exactly this into question. First and foremost there is our friend Rem Koolhaas with his repeated stance that "the city is dead, that the new places of communication are airports, at best train stations and shopping malls." In doing so he names the resulting concoction Junkspace — an inside with an outside, so overflowing, that one can no longer make out its borders (Rem Koolhaas in: Der Freund, heft 1, S. 18). For those who are not satisfied with this will admittedly have to come up with something new.  The practical work for reconstruction of the urban environment is not about repeating that which was put down in books in the 19th and 20th century, but rather the development of urban planning, the integration of new uses in large dimensions — such as offices and shopping malls — into the traditional European city. To make a point of it, my work is not about a "New Urbanism" of a European coinage, but rather about reinterpreting and enhancing the age-old patterns of the European city in a contemporary way. To find the balance between nostalgia and modernity is difficult, and I believe that in Europe there are very few projects that have managed this development successfully.

This has been my endeavour since 1986 on two separate stages: on the one hand, the provincial stage of the world-heritage Hanseatic city of Lübeck in the years from 1986 to early 1991 and since 1991 in the huge and occasionally  in a different sense provincial city of Berlin, as the Director of the Council for Urban Development (Senatsbaudirektor).

In the following I don't mean to try and impress you with words, but rather, with the aid of three examples exemplify my own experience in what it means to revive urban architecture.

The 3 examples are: The Pariser Platz as a square with traditional, strict terms of reference; the Potsdammer Platz with few architectural guidelines; and finally, Friedrichswerder, first built on in 1658 and flattened in East German days. Here again, with only the principle of sequence the attempt to create an architectural ensemble.